Die Ge­schich­te der streit­ba­ren Lo­ret­ta 

Die Ge­schich­te der streit­ba­ren Lo­ret­ta  2026 07 01 Vortrag Lauretta Foto 2Mittwoch, 1. Juli 2026, Nahe-Zeitung / Lokales Seite 22

 

Die Ge­schich­te der streit­ba­ren Lo­ret­ta 

Von Ger­hard Mül­ler

Überzeugend und ausdrucksstark brachte Prof. Dr. Nina Gallion die Geschichte der streitbaren Gräfin Loretta von Sponheim rüber und machte so die Geschichte lebendig.

Ge­schichts­pro­fes­so­rin Nina Gal­li­on er­zählt über die Hin­ter­grün­de der Spon­hei­mer Re­gen­tin im 14. Jahr­hun­dert  

Frau­en­berg. Das Leben der streit­ba­ren Grä­fin Lo­ret­ta von Spon­heim in­ter­es­siert of­fen­sicht­lich die Men­schen der Re­gi­on. Die 64 be­reit­ge­stell­ten Stüh­le muss­ten kur­zer­hand um 20 Plät­ze er­wei­tert wer­den, so groß war trotz brü­ten­der Hitze das In­ter­es­se an dem Vor­trag von Pro­fes­so­rin Nina Gal­li­on. „Mit so viel Zu­spruch hat­ten wir nicht ge­rech­net“ – Orts­bür­ger­meis­ter Karl Heinz Thom konn­te neben der Re­fe­ren­tin Gal­li­on auch Land­rat Mi­ros­law Ko­wal­si und den Lei­ter des Lan­des­mu­se­ums in Bir­ken­feld, Hisso von Selle, im voll be­setz­ten Ge­mein­de­haus be­grü­ßen. Der Vor­trag wurde von der Di­rek­ti­on Bur­gen Schlös­ser, Al­ter­tü­mer, die unter dem Dach der GDKE (Ge­ne­ral­di­rek­ti­on Kul­tu­rel­les Erbe) an­ge­sie­delt ist, or­ga­ni­siert. GDKE-Vize Flo­ri­an Ha­sen­knopf über­nahm die Vor­stel­lung von Gal­li­on, die als Ex­per­tin für spät­mit­tel­al­ter­li­che Ge­schich­te viele Fach­bü­cher zum spä­ten Mit­tel­al­ter ver­öf­fent­licht hat und an der Uni in Mainz Vor­le­sun­gen hält.

In ihrem Vor­trag um­schrieb die Ge­schichts­pro­fes­so­rin die ge­sam­te Bio­gra­fie der streit­ba­ren Grä­fin Lo­ret­ta von Spon­heim und wie sie es schaff­te, als Frau die ter­ri­to­ria­le Herr­schaft im 14. Jahr­hun­dert zu be­haup­ten.

Über ihre Kind­heit ist wenig ver­merkt, man weiß nicht mal, wann sie genau ge­bo­ren wurde – es war wohl ir­gend­wann vor 1300. Si­cher ist da­ge­gen, dass sie in jun­gen Jah­ren anno 1312 Graf Hein­rich von Spon­heim ge­hei­ra­tet hatte.

In die­ser Zeit war der Hoch­adel sehr dar­auf be­dacht, dass durch Hei­rat ihrer Nach­kom­men die ter­ri­to­ria­le Herr­schaft mög­lichst aus­ge­baut wurde. Als Lo­ret­tas Ehe­mann Hein­rich über­ra­schend 1323 mit knapp 30 Jah­ren starb, über­nahm Lo­ret­ta mit ihren drei un­mün­di­gen Kin­dern die Herr­schaft. In der Män­ner­do­mä­ne muss­te sie ak­zep­tiert wer­den. Mit Ent­schlos­sen­heit kämpf­te sie zu­nächst gegen die Land­flucht im In­nern und hatte ihre ter­ri­to­ria­len Gren­zen gegen die an­ge­sie­del­ten Bur­gen der nä­he­ren Um­ge­bung zu ver­tei­di­gen.

Als be­son­de­rer und über­mäch­ti­ger Geg­ner sei Erz­bi­schof und Kur­fürst zu Trier Bal­du­in ge­nannt. Er spiel­te eine wich­ti­ge Rolle bei der Si­che­rung der Macht im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich und er­wei­ter­te sei­nen Ein­fluss ste­tig. Lo­ret­ta kid­napp­te ihn an der Mosel und in­haf­tier­te ihn auf der als un­ein­nehm­bar gel­ten­den Star­ken­burg. Zu den Ver­hand­lun­gen, um die Frei­ga­be von Bal­du­in zu er­lan­gen, war sogar König Jo­hann von Böh­men per­sön­lich zur Star­ken­burg an­ge­reist. Lo­ret­ta stell­te sich als knall­har­te Ver­hand­lungs­füh­re­rin dar und er­hielt von Bal­du­in nicht nur Lö­se­geld, son­dern auch einen Ver­zicht, die hin­ter­spon­hei­mi­schen Bur­gen an­zu­grei­fen. Sie er­reich­te auch, dass sich Bal­du­in beim Papst in Avi­gnon ein­setz­te, dass der über sie aus­ge­spro­che­ne Kir­chen­bann wie­der auf­ge­ho­ben wurde. Dazu muss­te sie selbst zum Papst nach Avi­gnon rei­sen und er­reich­te tat­säch­lich, dass der Bann gegen leich­te Auf­la­gen wie­der auf­ge­ho­ben wurde. Es war schon eine kom­ple­xe Auf­ga­be, Tag für Tag ihre Herr­schaft zu si­chern. Lo­ret­ta ge­lang dies als Re­gen­tin durch ent­schlos­se­nes Han­deln, mit po­li­ti­scher Klug­heit und einem sehr guten Netz­werk. Eine klare Ab­sa­ge er­teil­te die Re­fe­ren­tin der weit ver­brei­te­ten Theo­rie, dass die Frau­en­burg aus dem er­press­ten Lö­se­geld von Bal­du­in ge­baut wor­den sei. Somit be­stä­tig­te sie die These des Frau­en­ber­ger Ge­schicht­stamm­tischs, das eine Burg in die­ser Grö­ßen­ord­nung in so kur­zer Zeit nicht er­baut wer­den konn­te.

Der Ge­schichts­pro­fes­so­rin ge­lang es in ihrem rund ein­stün­di­gen Vor­trag, dass die Gäste sich gut in die 700-jäh­ri­ge Ver­gan­gen­heit ein­fin­den konn­ten. „Man konn­te sich quasi das harte Leben der Lo­ret­ta vor Augen füh­ren, sie hat die Ge­schich­te le­ben­dig ge­macht“, ana­ly­sier­te ein Be­su­cher, wie er den Vor­trag wahr­ge­nom­men hatte. Auch Land­rat Ko­wal­ski ge­fiel der Vor­trag, er lud die Pro­fes­so­rin zu einem Vor­trag nach Bir­ken­feld oder Herr­stein ein. Ab­schlie­ßend be­ant­wor­te­te die Re­fe­ren­tin ei­ni­ge Fra­gen aus dem Pu­bli­kum und merk­te an, zu einem wei­te­ren Vor­trag er­neut die Re­gi­on be­su­chen zu wol­len.

 

Blick in den vollbesetzten SaalDie Ge­schich­te der streit­ba­ren Lo­ret­ta  2026 07 01 Vortrag Lauretta Foto 3

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