Hängepartie um Nahebrücke geht weiter

Mittwoch, 01. März 2023, Nahe-Zeitung, Seite 18

Hängepartie um Nahebrücke geht weiter

Von Gerhard Müller und Axel Munsteiner

Kein Durchkommen möglich: Seit 1966 verbindet diese Brücke über die Nahe die Orte Frauenberg und Sonnenberg. Die im Oktober 2022 aufgenommenen Sanierungsarbeiten an dem Bauwerk ziehen sich zur großen Verärgerung der Bürger in beiden Dörfern arg in die Länge. Foto: Axel Munsteiner

Abschluss der Sanierungsarbeiten verzögert sich erneut und führt zu großem Unmut in zwei Anliegerorten

Frauenberg/Sonnenberg. Es ist der inzwischen vierte Fertigstellungstermin, den der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Bad Kreuznach nennt: Die seit Mitte Oktober 2022 laufenden Sanierungsarbeiten an der Nahebrücke zwischen Frauenberg und Sonnenberg-Winnenberg sollen nach Auskunft der Behörde nun erst am 30. März beendet werden. In den beiden Anliegerorten, die von der damit verbundenen Vollsperrung der Kreisstraße (K) 12 betroffen sind, ist das Unverständnis groß. Dort ist man mit der Geduld fast am Ende.

Von einem „Zustand, der nicht hinnehmbar ist und sich auch nicht erklären lässt“, spricht Frank Robbert, der Ortsbürgermeister von Sonnenberg-Winnenberg vor dem Hintergrund der neuerlichen Verzögerungen bei den Arbeiten an der Nahebrücke. Er erinnert daran, dass der LBM für das 400 000 Euro teure Projekt ursprünglich eine Bauzeit von sechs Wochen veranschlagt habe, nun sei man – wenn der jetzt genannte Termin eingehalten wird – schon bei fast sechs Monaten.

Weite Umwege wegen Vollsperrung

Wegen der Vollsperrung müssten viele Einwohner des Dorfs weite Umwege in Kauf nehmen, um zur Arbeit zu kommen oder einkaufen zu gehen. Für einen gewissen Zeitraum sei das akzeptabel, nicht aber für fast ein halbes Jahr. Das gelte auch für im Ort ansässige Firmen, die hohe Umsatzeinbußen hätten und für die es nun „allmählich existenzgefährdend wird“, betont Robbert auf der Facebook-Seite der Gemeinde.

Sein aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt scheidender Ortsbürgermeisterkollege Patrick Kielburger aus Frauenberg sieht das genauso. Auch dort seien die Bürger wegen der Hängepartie an der Brücke sehr aufgebracht.

„Nachdem der Baubeginn zur Brückensanierung zunächst von den Sommerferien in die Herbstferien verschoben wurde, müssen die Bürger nun schon eine vierte Verlängerung der Sperrung hinnehmen. Solche terminlichen Aussagen schaffen Unsicherheit und die neuerliche Verlängerung bis zum 30. März ist nicht nachvollziehbar“, sagt Kielburger. Auch er weist auf die langen Umwege hin, die Autofahrer machen müssen, um von Frauenberg ins normalerweise nur zwei Kilometer entfernte Sonnenberg zu kommen. Hin und zurück sind es nun aber 33 Kilometer, weil die Umleitungsstrecke von Frauenberg aus nun schon seit Herbst über die L 176 bis zum Abzweig nach Hammerstein, dann auf der B 41 bis Oberbrombach und erst von dort auf der K 12 bis Sonnenberg führt.

Patrick Kielburger bringt ebenfalls die Belastung der heimischen Wirtschaftsbetriebe ins Spiel. Dem Sonnenberger Bäcker gehe wegen der Vollsperrung nach und nach die Frauenberger Kundschaft verloren. Das umgekehrte Problem herrsche beim Hofcafé direkt auf der Frauenberger Seite der Brücke in der Talbach, wo die Besucher aus Sonnenberg ausbleiben würden, so Kielburger.

In Sonnenberg gibt es eine Kita, die auch von Jungen und Mädchen aus Frauenberg besucht wird. Einrichtungsleiterin Bettina Herber sagt, sie wisse, dass zurzeit viele Kinder mit dem Auto gebracht werden, weil der eingesetzte Bus für etliche berufstätige Eltern zu spät in Frauenberg abfahre. „Die Eltern sind überhaupt nicht begeistert, da sich ihr Fahraufwand erheblich erhöht hat“, beschreibt Herber die missliche Situation.

Forderung nach kurzfristiger Lösung

An dieser müsse sich nun schleunigst etwas ändern, findet nicht nur Frank Robbert. Dieser hat sich mit einem deutlichen Schreiben an den LBM gewandt und von dort auch bereits Rückmeldung erhalten. Nach NZ-Informationen soll es schon am heutigen Mittwoch ein Gespräch geben, an dem neben dem LBM-Behördenleiter Thomas Wagner auch der Geschäftsführer der ausführenden Baufirma Aventas aus Illingen teilnehmen soll.

Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, inwiefern sich die Hauptforderung der politischen Akteure in den beiden Anliegerorten umsetzen lässt. Sie drängen „auf eine kurzfristige Lösung, sodass die Brücke zumindest einspurig befahrbar ist“, wie Robbert betont.

Übrigens: In der Dorfmitte von Sonnenberg wird am Rand der K 12 ebenfalls seit Oktober 2022 eine Stützwand saniert. Auch dort hakt es jedoch bei den Arbeiten. Denn bei der Fertigstellung dieser Maßnahme hat der LBM sogar erst den 30. April als neuen Termin genannt.

LBM entschuldigt sich: 30. März sei „ungünstigst anzunehmender Fertigstellungstermin“

Der LBM erklärt auf NZ-Anfrage, dass die vor Weihnachten wegen einsetzenden Frosts eingestellten Arbeiten vor einigen Tagen wieder aufgenommen wurden. „Sie mussten jedoch wegen der tiefen Temperaturen (Nachtfrost) erneut unterbrochen werden. Die anstehenden Arbeitsschritte mit Herstellung einer Betonversiegelung und Abdichtung auf der Brückenoberseite sind jedoch so witterungs- und insbesondere temperaturabhängig, dass diese aktuell noch immer nicht durchgeführt werden können und wiederum verschoben werden mussten“, erklärt Gerard Pfeifer, Teamleiter LBM-Fachgruppe Konstruktiver Ingenieurbau.

Der 30. März stelle nach heutigem Stand den „am ungünstigsten anzunehmenden Termin“ dar. Die Abdichtungs- und Belagsarbeiten auf der Brückenoberseite hätten im weiteren Bauablauf jedoch oberste Priorität und könnten bei Vorliegen geeigneter Witterungsverhältnisse auch schneller fertiggestellt werden. „Erst nach Abschluss der Arbeiten an der Brückenoberseite kann die Vollsperrung aufgehoben werden. Für die Durchführung von Restarbeiten ist gegebenenfalls noch ein temporärer Ampelbetrieb erforderlich“, erklärt Pfeifer.

Zur Forderung nach einer möglichst schnellen einspurigen Nutzungsmöglichkeit der Brücke erklärt der LBM, dass eine halbseitige Instandsetzung der Fahrbahntafel (Brückenoberseite) bereits vor Beginn des Projekts geprüft worden sei, „dies im vorliegenden Fall aber nicht durchführbar gewesen ist, weil zwischen den Brückenkappen lediglich ein lichter Abstand von sechs Metern als Arbeits- und Verkehrsraum zur Verfügung steht und die Materialien bei dieser Bauweise zusätzlich überlappend eingebaut werden müssen, was zusätzlichen Arbeitsraum erfordert. Des Weiteren werden die nutzbare Fahrbahnbreite durch Baken, Bauzäune und Ähnliches sowie der aus Arbeitsschutzgründen zu berücksichtigende Sicherheitsbereich für das Baustellenpersonal letztlich so weit reduziert, dass nicht mehr genügend Breite für einen einstreifigen Kfz-Verkehr zur Verfügung steht“, erklärt Pfeifer.

Der Unmut der Bevölkerung wegen der Verzögerungen sei für den LBM „sehr gut nachvollziehbar, und wir bedauern die unplanmäßige Bauzeitverlängerung außerordentlich“. Allerdings hätten einige „im Vorfeld nicht absehbare Ereignisse, zum Beispiel Materiallieferschwierigkeiten infolge des Ukrainekrieges, Corona-Erkrankungen des Baustellenpersonals und auch Fachkräftemangel dazu geführt, dass die Arbeiten nicht fristgemäß ausgeführt und zeitlich in den Herbst verschoben werden mussten. Leider ist es dann quasi auf der Zielgeraden vor Weihnachten zu einem Frosteinbruch gekommen, sodass aus bautechnischen Gründen die Bauarbeiten auf der Brückenoberseite nicht mehr abgeschlossen werden konnten“. Wäre dieser Frosteinbruch vor Weihnachten nicht eingetreten, hätten die Arbeiten an der Brückenoberseite „noch rechtzeitig im vorigen Jahr beendet und die Brücke wieder befahren werden können“, betont die Behörde. ax

Die Hauptstraße in Frauenberg

Stand
1.3.2023, 16:17 Uhr

Ein Film von Tim Greiner

Frauenberg ist eine Dorf mit rund 420 Einwohnern, das in der Nähe von Idar-Oberstein direkt an der Nahe liegt.

Hierzuland Frauenberg HauptstraßeDie Hauptstraße in Frauenberg7 Min

Die Burgruine Frauenburg, die im 14. Jahrhundert durch die Grafen von Sponheim erbaut wurde, thront etwas abseits des Ortes und kann über die Lauretta-Traumschleife erwandert werden.

Sie diente der Gräfin Loretta von Sponheim als Witwensitz und wurde im 17. Jahrhundert zerstört. Erst seit November 2022 gibt es neues Leben in der einstigen Burgschänke, direkt an der Nahe.

Maria und Pino Espositi haben das in die Jahre gekommene Gebäude gekauft, renoviert und ihr Hof-Café eröffnet.

Hierzuland Frauenberg Edelsteinschleiferei
In der Edelsteinschleiferei von Jörg Diederich werden rohe Steine geschliffen, poliert und gebohrt – und offenbaren dabei ihre wahre Schönheit.

Die Firma Diederich schleift, bohrt und verarbeitet in der dritten Generation Edelsteine und wertvolle Mineralien. Unscheinbare Steine werden hier zu kunstvollen Schmuckstücken verwandelt.

Besonders stolz ist man im kleinen Nahedorf auf den eigenen Fußballverein, den FC Lauretta. Der musste in der Vergangenheit einiges einstecken.

Und trotzdem oder gerade deswegen stehen sie momentan auf einem Aufstiegsplatz in der C-Klasse Nahe-West. Dieser Neustart ist gelungen.

Hierzuland Frauenberg Karte

Porträt von Frauenberg

Dienstag, 28. Februar 2023, Nahe-Zeitung, Seite 17

Gemeinde wird in der „Landesschau“ vorgestellt

Frauenberg. In der Rubrik „Hierzuland“ sendet das SWR-Fernsehen Ortsporträts. Ein Beitrag über Frauenberg läuft am Mittwoch, 1. März, ab 18.45 Uhr innerhalb der „Landesschau Rheinland-Pfalz“. „Frauenberg ist ein Dorf mit rund 420 Einwohnern, das in der Nähe von Idar-Oberstein direkt an der Nahe liegt. Die Burgruine Frauenburg, die im 14. Jahrhundert durch die Grafen von Sponheim erbaut wurde, thront etwas abseits des Ortes und kann über die Lauretta-Traumschleife erwandert werden. Sie diente der Gräfin Loretta von Sponheim als Witwensitz und wurde im 17. Jahrhundert zerstört. Erst seit November 2022 gibt es neues Leben in der einstigen Burgschänke, direkt an der Nahe. Maria und Pino Espositi haben das in die Jahre gekommene Gebäude gekauft, renoviert und ihr Hofcafé eröffnet. Die Firma Diederich schleift, bohrt und verarbeitet in der dritten Generation Edelsteine und wertvolle Mineralien. Anhänger, Armbänder, Glücksbringer und Heilsteine – die Diederichs verwandeln zunächst unscheinbare Steine zu kunstvollen Schmuckstücken. Besonders stolz ist man im Nahedorf auf den eigenen Fußballverein, den FC Lauretta. Der musste in der Vergangenheit einiges einstecken: einen von Wildschweinen verwüsteten Rasenplatz, Spielstopp während der Corona-Pandemie und die Kündigung einer Spielgemeinschaft “, kündigt der SWR vorab einige Inhalte des Beitrags an. red

Frauenbergs Ortsbürgermeister tritt zurück

Donnerstag, 16. Februar 2023, Nahe-Zeitung, Seite 19

Frauenbergs Ortsbürgermeister tritt zurück

Von Gerhard Müller

Der 32-jährige Patrick Kielburger war 2019 zum Ortschef gewählt worden. Foto: Gerhard Müller

Patrick Kielburger hört zum 28. Februar auf

Frauenberg. Aus gesundheitlichen Gründen legt Patrick Kielburger sein Amt als Ortsbürgermeister der Gemeinde Frauenberg zum 28. Februar nieder. Schweren Herzens trenne er sich von dem Amt, das er nach den Kommunalwahlen 2019 von Dirk Schröter übernommen hatte, erläutert er im Gespräch mit der NZ.

Nach einem gesundheitlichen Rückschlag Anfang des Jahres machten ihn die Familie, Freunde und auch die behandelnden Ärzte darauf aufmerksam, dass er sich zu viel zumute, berichtet Kielburger. Man riet ihm, kürzerzutreten. „Die Ortsgemeinde hat einen fitten Bürgermeister verdient“, unterstreicht er. Ausdrücklich betonte der 32-Jährige, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat, mit den Vereinen, der Feuerwehr, der Verwaltung, der Presse und den Kollegen der Nahetalgemeinden stets hervorragend gewesen sei.

In seiner vierjährigen Amtszeit kann der scheidende Ortsbürgermeister beachtliche Erfolge vorweisen. Dazu gehört der Jugendraum, die flächendeckende gute Internetversorgung, die digitale Ratsarbeit, das Impfangebot an der Firma Stephan, der verbesserte Busverkehr und nicht zuletzt der Verkauf von zwei Bauplätzen. Kielburger, der schon 2012 Mitglied eines Ausschusses und seit 2014 Ratsmitglied war, ist überzeugt, dass auch junge Leute das Amt durchaus bewältigen können. Man müsse nur das Privatleben mit dem Job und dem Bürgermeisteramt verbinden. Den Rücktritt als Ortsbürgermeister will Kielburger nicht als Rückzug aus der Kommunalpolitik verstanden wissen. Nach seiner Genesung kann er sich durchaus vorstellen, irgendwann neue Aufgaben zu übernehmen. Angesprochen auf das Landesfinanzausgleichgesetz, das in der jüngsten Ratssitzung für heftige Diskussionen sorgte, meinte Kielburger, dass das Gesetz dem Bürger schwer zu erklären sei. „Es passt überhaupt nicht zu meinen Vorstellungen.“

Ab 1. März wird dann der Beigeordnete Karl-Heinz Thom die Amtsgeschäfte übernehmen. Wenn ein Wahltermin für die Wahl eines neuen Ortsbürgermeisters festgesetzt ist, beginnt eine dreiwöchige Bewerbungsfrist. Bis dahin können Bewerbungen für eine Urwahl eingereicht werden. Sollten keine Bewerbungen eingehen, geht die Entscheidung zurück an den Rat, der einen Ortsbürgermeister aus seinen Reihen wählen kann.

Teil des Laurettawegs wird umgelegt

Samstag, 11. Februar 2023, Nahe-Zeitung, Seite 17

Teil des Laurettawegs wird umgelegt

Von Gerhard Müller

Die Lauretta-Traumschleife wird von einem im Winter oft matschigen Teilstück eines Forstwegs dauerhaft auf einen neu anzulegenden Pfad verlegt. Betroffen sind rund 200 Meter. Foto: Gerhard Müller

Gemeinderat in Frauenberg hat kein Verständnis für Anhebung der Grundsteuerhebesätze

Frauenberg. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in Frauenberg beschäftigten sich die Ratsmitglieder im Rahmen des Forstetats auch mit dem Zustand der Loretta-Traumschleife. Da es auf einem Teilstück des Premiumwanderwegs insbesondere in den nassen Wintermonaten Probleme mit dem Untergrund gibt, soll die Traumschleife auf knapp 200 Metern verlegt werden.

Der bislang mitgenutzte Forstwirtschaftsweg ist nicht durchgehend geschottert, und so entstanden in diesem Abschnitt insbesondere oft matschige Passagen, berichtete Kielburger. Dies könne man durch die Verlegung auf einen neuen Pfad vermeiden.

Der Ortsbürgermeister konnte neben VG-Bürgermeister Bernd Alsfasser auch den neuen Leiter des Forstamtes Birkenfeld, Peter Prölß, und Försterin Marleen Eickhoff begrüßen. Prölß und Eickhoff erläuterten den Ratsmitgliedern dabei den Forstwirtschaftsplan für das laufende Jahr.

Demnach ist im Frauenberger Gemeindewald ein Einschlag von 165 Festmetern geplant, von denen 137 Festmeter zum Verkauf anstehen. Den veranschlagten Erträgen in Höhe von 12 925 stehen Aufwendungen in Höhe von 19 246 gegenüber, was einen Fehlbetrag von 6 321 ergibt. Einstimmig wurde der Wirtschaftsplan angenommen.

Die beiden Forstamtsvertreter hielten dann einen Vortrag zum Thema klimaangepasstes Waldmanagement, wonach eine Förderung unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Da nicht alle Erkenntnisse auf dem Tisch lagen, wird dieser Tagesordnungspunkt erneut Thema sein.

Kielburger wies darauf hin, dass die Umsetzung des Umsatzsteuergesetzes bis zum 31. Dezember 2024 erneut verschoben wurde. Die mit der OIE AG abgeschlossene Ergänzungsvereinbarung, in der der Stromversorger zusätzlich zu den bisherigen (Netto-) Entgelten die zu leistende Umsatzsteuer übernimmt, hat Bestand. Dank sprach der Ortschef dem Verkehrs- und Verschönerungsverein aus, der auf dem Spielplatzgelände zwei gefahrenträchtige Weiden fällte.

Unverständnis machte sich in den Reihen des Rates breit, als das neue Landesfinanzausgleichgesetz diskutiert wurde. Die Ratsmitglieder bedauerten es, dass ein Gespräch der Westricher Nahetalgemeinden mit dem Landtagsabgeordneten Hans Jürgen Noss, nicht zustande kam. Die Anhebung der Nivellierungssätze und damit der Grundsteuer B von bislang 365 Prozent auf 465 Prozent konnten die Ratsmitglieder nicht nachvollziehen. Dies entspreche einer Steigerung von 22,5 Prozent. Auch bei der Grundsteuer A ist eine deutliche Anhebung geplant.

Insbesondere, da durch die Umlagen an Kreis und VG diese Mehreinnahmen der Ortsgemeinde wieder abgenommen werden, können die Ratsmitglieder keinen Vorteil in dem neuen Gesetz erkennen. Ein Ratsmitglied meinte sogar, dass die drastische Erhöhung Erpressung sei. „Warum tut man den Bürgern das an?“ oder „Die 20 Prozent Erhöhung tun bestimmt einem Viertel der Bürger richtig weh“, waren die Aussagen weiterer Ratsmitglieder. Eine Grundsteueranhebung in einer solchen Größenordnung passe, wie die Straßenausbaubeträge, nicht mehr in die heutige Zeit, waren weitere Aussagen aus der Mitte des Rates.

Zum Abschluss der Ratssitzung stellte der Ortsbürgermeister fest, dass die Ortsgemeinde in erster Linie durch den Verkauf von zwei Bauplätzen wieder etwas finanziellen Spielraum erlangt habe. Dennoch sind größere Investitionen nicht möglich, da immer noch rund 450 000 Euro Schulden abzutragen sind. VG-Bürgermeister Bernd Alsfasser informierte über den aktuellen Stand zum Ökompark Heide-Westrich. Er stehe in regem Austausch mit Investoren und hofft, dass 2024 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Musiker litten sehr unter der Pandemie

Samstag, 28. Januar 2023, Nahe-Zeitung, Seite 13

Musiker litten sehr unter der Pandemie

Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden (von links) Dieter Schmidt, Karl-Werner Wild und Walter Schulz vom Vorsitzenden Heiko Heinz persönlich mit der Ehrenurkunde ausgezeichnet. Foto: Gerhard Müller

Mitgliederversammlung nach langer Corona-Pause – Burgfest an Christi Himmelfahrt wieder ausrichten

Frauenberg/Sonnenberg. Die Corona-Pandemie war für viele Vereine schwierig. Auch der Musikverein Frauenberg/Sonnenberg hat spürbar darunter gelitten, wie der Vorsitzende des Musikvereins, Heiko Heinz, nun in der Mitgliederversammlung berichtete.

In seinem Bericht ging der Vorsitzende darauf ein, dass man sowohl personell als auch finanziell in den vergangenen beiden Jahren eine Negativentwicklung hinnehmen musste. Auch haben einige Musikerinnen und Musiker den Verein aus Altersgründen oder krankheitsbedingt verlassen. So ist der Kassenbestand aufgrund fehlender Einnahmen und weiterhin bestehender Fixkosten, unter anderem für den Dirigenten, innerhalb von zwei Jahren ebenfalls gesunken.

Der erste Kassierer Rainer Purper legte der Versammlung die exakten Zahlen vor. Besonders schmerzlich ist die Tatsache, dass der mit Abstand größte Einnahmeposten, das Burgfest an Christi Himmelfahrt, zum dritten Mal in Folge auch im Jahr 2022 nicht stattfinden konnte. Der Verein setze nun alles daran, die Traditionsveranstaltung in diesem Jahr wieder durchführen zu können, sagte Heinz. Dazu sei man aber auf die Unterstützung anderer Ortsvereine angewiesen. „Entsprechende Gespräche laufen derzeit“, erläuterte Heinz und blickte hoffnungsvoll in die Zukunft.

Positiv sei es gewesen, erwähnte Purper, dass Dirigent Jürgen Fey auf einen Teil seines Dirigentengehalts verzichtete. So habe er auch dazu beigetragen, dass der Verein finanziell etwas entlastet wurde. Anschließend gab Schriftführer Helmut Bühl einen Überblick über die Mitgliederstatistik und die Veranstaltungen der vergangenen drei Jahre im Berichtszeitraum. Demnach wurden im Kalenderjahr 2019 noch 16 Auftritte registriert, und im Kalenderjahr 2022 reduzierte sich die Zahl der öffentlichen Auftritte auf vier. „Hier zeigte sich deutlich, dass viele Veranstalter nach wie vor zurückhaltend planten“, erläuterte er. Bühl hob hervor, dass die Probenarbeit auch in der Corona-Pandemie entsprechend der jeweils geltenden Verordnungen weiterlaufen konnte. „In den Zeiten, in denen die Proben erlaubt waren, probte der Verein im Freien auf dem Gelände des Angelsportvereins“, schilderte er. Ab dem Zeitpunkt, zu dem auch in Innenräumen Proben erlaubt waren, habe man unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregelungen wieder intensiv auch drinnen geprobt.

Als Vertreter der Kassenprüfer bescheinigte Dirk Schröter eine einwandfreie Kassenführung und beantragte die Entlastung des Vorstands, welche von der Versammlung einstimmig erteilt wurde. Schröter wurde von der Versammlung auch als Versammlungsleiter für die anschließende Neuwahl gewählt. Als Vorsitzender wurde der bisherige Vorsitzende Heiko Heinz vorgeschlagen, der auch einstimmig wiedergewählt wurde. Heinz bedanke sich für das Vertrauen und merkte an, dass er dieses Amt bereits im 31. Jahr bekleidet und es weiterhin mit Herzblut ausüben wolle. Auch bei den restlichen Vorstandsposten setzt der Verein auf Kontinuität, indem alle bisherigen Amtsinhaber von der Versammlung einstimmig in ihren Posten bestätigt wurden. Neben Heinz waren auch die übrigen Vorstandsmitglieder Andreas Schwarz (stellvertretender Vorsitzender), Rainer Purper (Kassierer) und Helmut Bühl (Schriftführer) bereit, sich weiterhin im Vorstand zu engagieren. Ortsbürgermeister Patrick Kielburger bedankte sich beim Verein und hob diesen als wichtigen Aktivposten innerhalb der Ortsgemeinde heraus, indem er stets zur Stelle sei, wenn eine Veranstaltung musikalisch zu begleiten ist.

Gerhard Müller

Ehrenmitglieder berufen

Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden Walter Schulz, Helmut Herrmann, Dieter Schmidt, Jürgen Wermke, Simone Mittelstädt, Frank Anderlik, Karl-Werner Wild und Jürgen Busch zu Ehrenmitgliedern ernannt. Heiko Heinz überreichte den verdienten Mitgliedern jeweils eine Ehrenurkunde. gmü

Nahebrücke: Freigabetermin noch nicht sicher

Freitag, 20. Januar 2023, Nahe-Zeitung, Seite 20

Von Axel Munsteiner

Diese Baustelle ist seit kurz vor Weihnachten verwaist: Auf der Nahebrücke zwischen Sonnenberg und Frauenberg ruhen derzeit die Sanierungsarbeiten. Wann es mit ihnen wieder losgeht, ist derzeit noch offen. Foto: Reiner Drumm

LBM: Wiederaufnahme der Arbeiten hängt von zwei Faktoren ab – Nach Neustart bleibt Sperrung noch zwei Wochen bestehen

Frauenberg/Sonnenberg. Das Geduldsspiel um die ohnehin bereits mehrfach verschobene Aufhebung der Sperrung der Kreisstraße 12 zwischen Frauenberg und Sonnenberg geht weiter. Denn laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) Bad Kreuznach ist noch unklar, wann die kurz vor Weihnachten unterbrochenen Sanierungsarbeiten an der die beiden Orte verbindenden Nahebrücke fortgesetzt werden. Immerhin gibt die Verkehrsbehörde aber auch eine Mitteilung, die als Hoffnungsschimmer zu werten ist.

Aufgrund der kalten Witterung konnten kurz vor Weihnachten – wie die NZ seinerzeit berichtet hatte – die Asphaltarbeiten auf der Fahrbahn des Bauwerks, das sich seit 1966 über den Fluss spannt, nicht mehr ausgeführt werden. Seitdem ruht die von der Firma Aventas ausgeführte Brückensanierung, und aus der vom LBM angekündigten Verkehrsfreigabe der K 12 am 23. Dezember wurde nichts.

Nur für Fußgänger und Radler offen

Damit vor allem die bereits eingebaute Grundierungsschicht die Winterpause unbeschadet übersteht, wurde die gesamte Fahrbahn auf der Brücke zuvor noch mit Vliesmatten ausgelegt und darüber provisorisch eine Schotter-Splitt-Schutzlage angebracht. Für den motorisierten Verkehr ist die Überquerung der Brücke trotz des aktuellen Baustopps ausdrücklich nicht erlaubt. Fußgänger und Radfahrer dürfen das aber tun, worauf auch eine entsprechende Beschilderung hinweist.

Wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden, ist zurzeit noch offen und hängt wesentlich von zwei Faktoren ab. Auf NZ-Nachfrage erklärt Andreas Molter, stellvertretender Leiter der Fachgruppe Projektmanagement beim LBM, dass dies geschehen soll, „sobald es die Witterung zulässt und die Mischwerke wieder Asphalt liefern werden. Denn zu Beginn eines jeden Jahres werden an den Mischanlagen die anstehenden Wartungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt.“

Die Behörde gibt aber auch eine Auskunft, die vor allem für die Bürger in den beiden besonders betroffenen Anliegerorten für etwas Erleichterung sorgen dürfte. Sobald nämlich die Firma Aventas wieder tätig sein kann, würden noch circa zwei Wochen Bauzeit benötigt werden, um danach die Sperrung der K 12 aufheben zu können. Es seien dann zwar noch Restarbeiten wie die Erneuerung der Brückengeländer erforderlich. „Diese können jedoch unter Verkehr, aber gegebenenfalls mit Einschränkungen des Verkehrsraums, ausgeführt werden“, heißt es seitens des LBM. Die Behörde bittet aber um Verständnis dafür, dass es aufgrund der oben gemachten Anmerkungen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verbindliche Aussage über das Bauende geben kann.

Große Belastung für zwei Dörfer

Vor allem die Freigabe des Verkehrs über die Brücke wird sowohl in Sonnenberg-Winnenberg als auch in Frauenberg sehnlichst erwartet, wie die beiden Ortsbürgermeister Frank Robbert und Patrick Kielburger betonen. „Die aktuelle Situation ist für unser Dorf schon eine sehr große Belastung, und man wird von Bürgern immer wieder darauf angesprochen, wann man endlich auch wieder mit dem Auto über die Brücke fahren darf“, sagt Robbert. Ähnlich geht es seinem Frauenberger Kollegen. „Dass die Sperrung nun sogar deutlich über die Weihnachtszeit hinaus andauert, strapaziert die Leute schon sehr. Man muss ja bedenken, dass man nun schon seit etwa drei Monaten einen großen Umweg nehmen muss, um von Ort zu Ort zu kommen“, betont Kielburger.

Kielburger rechnet sogar vor, wie viele Kilometer es von Frauenberg über die ausgeschilderte Umleitung via L 176 und dann über die B 41 nach Rötsweiler und Oberbrombach sind, um ins eigentlich in Sichtweite auf dem Hügel am anderen Naheufer gelegenen Sonnenberg zu kommen. „Hin und zurück sind es 33 Kilometer“, erläutert Kielburger.

Betroffen sind in Frauenberg zum Beispiel die Jungen und Mädchen, die in Sonnenberg die Kita besuchen. Auch ihr Bus muss den Umweg nehmen. Gleiches gilt für Eltern, wenn sie die Kinder abholen wollen, oder für Frauenbergerinnen, die in der Kita arbeiten.

Immerhin: Von Frauenberg aus geht es über die L 176 nach wie vor ungehindert in beide Richtungen nach Idar-Oberstein und Baumholder. Anders sieht das für die Sonnenberger-Winnenberger aus: Wegen der gespeerten Nahebrücke sind sie von dieser kürzesten Strecke in die beiden Städte abgeschnitten. „Viele Leute im Ort haben deshalb inzwischen sogar ihr Einkaufsverhalten geändert und fahren derzeit eher nach Birkenfeld“, berichtet Robbert.

Große Umwege zur Firma Stephan

Stark betroffen sei zudem der im Dorf ansässige Thomas Klein, der auch viele Stammkunden aus Frauenberg hat. Von ihm habe er die Rückmeldung erhalten, dass diese zurzeit wegen der Sperrung nicht kommen, sagt der Ortschef. Es gebe zudem noch ein weiteres Paradebeispiel für Sonnenberg-Winnenberger, die täglich mit der Sperrung konfrontiert sind. Denn im Doppeldorf gibt es viele Menschen, die bei der in der Edelsteinindustrie tätigen Firma Stephan arbeiten. Die Zufahrt zu ihr befindet sich direkt hinter der Nahebrücke in der Frauenberger Bahnhofstraße. Auch sie müssen große Umwege in Kauf nehmen, um zum Job zu kommen. Kein Wunder also, dass hüben wie drüben der Wunsch groß ist, dass die Bauarbeiten an der Brücke möglichst bald beendet sind.

„Gräfin-Loretta“ – Weg ist jetzt in den Top 15

Eine Aufwertung für die Traumschleife „Gräfin Loretta“ ist das Hofcafé in Frauenberg, das die Familie Esposti im Herbst eröffnet hat. Die Betreiber beabsichtigen, das Café im Frühjahr um eine Außenterrasse zu erweitern. Dort, wo man den Carport erkennen kann, sollen zehn zusätzliche Tische aufgestellt werden, an denen bis zu 40 Gäste Platz finden werden. Foto: Gerhard Müller

 

Nahezeitung vom 06.01.2023
Traum­schlei­fen in der VG er­neut mit sehr gutem Er­geb­nis bei der Nach­zer­ti­fi­zie­rung – Pan­ora­ma­fens­ter kom­men gut an 

von Sascha Saueressig

Baumholder/Frau­en­berg

Ei­gent­lich waren die tur­nus­mä­ßi­gen Nach­zer­ti­fi­zie­run­gen der Pre­mi­um­wan­der­we­ge „Grä­fin-Lo­ret­ta“-Traum­schlei­fe und Bä­ren­bach­pfad be­reits im Spät­som­mer ge­plant ge­we­sen. Doch die Bau­stel­le an der Frau­en­burg ver­zö­ger­te die Über­prü­fung durch die Ex­per­ten des deut­schen Wan­der­in­sti­tuts bis Ende No­vem­ber.
Doch das Er­geb­nis der Be­ge­hun­gen durch die Wan­der­ex­per­ten kann sich sehen las­sen: Beide Traum­schlei­fen konn­ten ihre Be­wer­tun­gen um je­weils zwei Punk­te bei der Nach­zer­ti­fi­zie­rung stei­gern. Der Bä­ren­bach­pfad in Baum­hol­der darf sich nun über 69 Punk­te freu­en, und die Traum­schlei­fe „Grä­fin Lo­ret­ta“ ist nun mit ihren 86 Punk­ten sogar unter den bes­ten 15 Traum­schlei­fen der Wan­der­re­gi­on Saar-Huns­rück. „Wir sind sehr zu­frie­den mit die­sem Ab­schnei­den“, be­rich­tet Jes­si­ca Zim­mer aus der Tou­rist-In­for­ma­ti­on der Ver­bands­ge­mein­de.
We­ge­war­te ein Plus­punkt
Ein Dan­ke­schön rich­tet sie auch an die We­ge­war­te, die um Diet­mar Gör­litz stän­dig auf den mehr als 60 Ki­lo­me­tern der Pre­mi­um­wan­der­we­ge und dem Na­he­steig un­ter­wegs sind, um die Stre­cken in Schuss zu hal­ten. Auch in die­ser Jah­res­zeit gilt es, Schä­den zu be­sei­ti­gen und die He­cken zu­rück­zu­schnei­den, damit die Wege im Früh­jahr wie­der frei und gut be­geh­bar sind, er­läu­tert die Tou­ris­mus­fach­frau.
Ins­be­son­de­re bei der „Grä­fin-Lo­ret­ta“-Traum­schlei­fe sei die In­stal­la­ti­on eines der bei­den neuen Pan­ora­ma­fens­ter und zu­sätz­li­cher Mö­blie­rung und Ru­he­bän­ke gut an­ge­kom­men. „Die Aus­sich­ten sind atem­be­rau­bend“, er­klärt Zim­mer. Seit­dem die über­di­men­sio­na­len Holz­rah­men auf­ge­stellt wor­den seien, hätte sich die Zahl der Bil­der und Vi­deo­clips auf den un­ter­schied­lichs­ten so­zia­len Me­di­en­platt­for­men ver­viel­facht. „Jeder der vor­bei­kommt, macht von sich und dem Aus­blick Fotos und stellt dies in sein Pro­fil“, schil­dert Zim­mer. Mehr kos­ten­lo­se Wer­bung könne man gar nicht be­kom­men. Die Idee zu den Pan­ora­ma­fens­tern habe man sich auf Wan­der­stre­cken im Schwarz­wald ge­holt, wo ähn­li­che Kon­struk­tio­nen, die Wan­de­rer zum Fo­to­gra­fie­ren mit Ka­me­ras oder Han­dys ein­la­den.
Neue Gas­tro­no­mie in Frau­en­berg
Ein wei­te­rer Plus­punkt für die Traum­schlei­fe „Grä­fin Lo­ret­ta“ sei die Wie­der­eröff­nung der frü­he­ren Berg­schen­ke durch die Fa­mi­lie Epos­ti als Hof­ca­fé. Das gas­tro­no­mi­sche An­ge­bot di­rekt am Wan­der­park­platz sei ein wich­ti­ger Bonus, und sie ist dank­bar, dass die Zer­ti­fi­zie­rung erst nach der Er­öff­nung ter­mi­niert wurde. Hinzu soll für den Som­mer ein Bier­gar­ten mit bis zu 40 Frei­luft­plät­zen kom­men. „Wir sind wahn­sin­nig froh, dass die­ses An­ge­bot dort ent­stan­den ist“, sagt Jes­si­ca Zim­mer. Denn das Hof­ca­fé be­lebt nicht nur das Wan­der­er­leb­nis, es ist auch ge­ne­rell für Frau­en­berg ein Ge­winn.
Auch wenn die klas­si­sche Wan­der­sai­son erst im März und April star­tet, sind die bei­den Pre­mi­um­we­ge in der VG auch im Win­ter er­wan­der­bar. Auch wenn der „Grä­fin-Lo­ret­ta“-Weg der­zeit über den Rad­weg er­reich­bar ist und auf dem Na­he­steig auf­grund des Fels­rut­sches im Spät­herbst Pause ist, kön­nen Wan­de­rer auch jetzt die Stre­cken er­kun­den. Als Tipp für die Win­ter­wan­de­rung legt Zim­mer Wan­de­rern ans Herz, sich ein Win­ter­pick­nick im Hotel Zum Stern in Baum­hol­der zu bu­chen oder im Hof­ca­fé in Frau­en­berg etwas in­di­vi­du­ell zu­sam­men­stel­len zu las­sen und den Im­biss dann auf der Wan­de­rung zu ge­nie­ßen.

 

 

 

 

 

Rätsel um wehrhaftes Haus am Ellerbach

 

Freitag, 13. Januar 2023, Nahe-Zeitung, Seite 19

Von Gerhard Müller

 

Die beiden Hobbyhistoriker Dr. Freimut Heiderich (links) und Achim Bechtel verschaffen sich anhand einer alten Forstkarte einen Überblick über die Lage des Burghauses und der Katharinenkapelle. Foto: Gerhard Müller

Freimut Heiderich und Achim Bechtel erforschen Hinweise auf Burghaus und Katharinenkapelle

Frauenberg. Über die Geschichte der Frauenburg wurde schon viel geschrieben und der Innenbereich sogar archäologisch untersucht. Dagegen ist die nähere Umgebung der Burg fast unerforscht. So gibt es Belege eines wehrhaften Burghauses und einer Katharinenkapelle. Lediglich die Bedeutung und der Zeitraum, wann diese außerhalb der Frauenburg liegenden mittelalterlichen Gebäude gebaut wurden, sind bis heute noch nicht eindeutig geklärt.

So machten sich die beiden Hobbyhistoriker Dr. Freimut Heiderich und Achim Bechtel nun auf den Weg, die bisherigen Erkenntnisse zusammenzutragen. Detaillierte Hinweise auf historische Wege und Gebäude vermittelt eine Forstkarte aus dem Jahr 1759, die der Geometer Werner erstellt hatte.

Freimut Heiderich hat dies in seinem Buch „Frauenberg-Sonnenberg-Winnenberg – Herrschaft und Bauern im Umfeld der Frauenburg“ deutlich herausgestellt. Die Karte zeigt elf einzelne Gehöfte Tal-Frauenbergs entlang des mittelalterlichen Wegverlaufs von der Nahe bis zur Frauenburg auf, die während eines verheerenden Gewitters weggespült wurden. Der alte Weg führte entlang des Talbachs bis zum Zusammenfluss des Ellerbachs und Aubachs. Nach der Überquerung der beiden Bäche geht es weiter entlang des Ellerbachs bis zur Ruine es ehemaligen Burghauses. Die Mauerreste sind noch heute gut zu erkennen.

Ruine zeugt von mächtigem Bau

In vielen alten Urkunden wurde das Burghaus als herrschaftliches Haus im Tal zu Frauenberg bezeichnet. Die Ruine des Burghauses befindet sich direkt am Ellerbach. Die Außenmaße der Bruchsteinmauer bemessen 16 auf 20 Meter bei einer Wandstärke von 1,40 Metern.

Nach dem Tod der Gräfin Loretta von Sponheim-Starkenburg 1346 erhielt ihr jüngster Sohn Gottfried von seinem Bruder Graf Johann III. das Haus als Lehen. Die entsprechende Urkunde ist auf den 25. März 1347 datiert. Gottfried durfte das Haus gegen jedermann verteidigen. Demnach war das Gebäude wehrhaft. Weiterhin wird in der Urkunde ein „Gezelin“ als Vorbesetzer genannt, was eine Erbauung durch den Orden der Zisterzienser vermuten lässt.

Achim Bechtel hat unter dem Titel „Die Entstehung des Burghauses im Tal zu Frauenberg“ einen Aufsatz erfasst. Er bezog sich auf die von Johannes Mötsch zusammengefassten Urkunden und konnte so belegen, dass sich das Anwesen bereits ab dem Jahr 1218 im Besitz von Adelheid von Sayn befand. Als Adelheid 1263 verstarb, ging das mütterliche Erbe der Grafschaft Sayn an Johann I. von Sponheim-Starkenburg über.

Es ist möglich, dass es sich bei dem in den Urkunden genannten um das später als herrschaftliches Haus bezeichnete Gebäude handelte. Dem Namen nach könnte eine Tochter- oder Enkelgründung der Primarabtei Clairvaux gemeint sein. Aus der Teilungsurkunde von 1265 wird „Ellingbagh“ genannt, das man zunächst sicherlich mit Allenbach in Verbindung bringen wird. Aber durch die Namensähnlichkeit könnte auch das wehrhafte Haus direkt am Ellerbach gemeint sein. So hätten Johann I. oder sein Sohn Heinrich I. mit geringen Mitteln das Haus in einen militärischen Stützpunkt umwandeln können und zum Schutz gegen die Grafen von Veldenz Verwendung finden. Dies hätte mit Sicherheit weniger Aufsehen erregt, als eine neue Burg zu bauen. Da die Erträge aus den Gütern Clervaux schlecht waren, was von den Visitatoren bereits Ende des 12. Jahrhunderts erkannt wurde, zogen sich die Zisterzienser aus der Einöde zurück und verkauften das Gebäude.

Zwei Steinhaufen zeigen Standort

In kurzer Entfernung zum herrschaftlichen Haus, direkt am alten Weg in Richtung Frauenburg, befand sich das zweite außerordentliche Gebäude, die Katharinenkapelle. Von der alten Kapelle sind nur noch zwei 20 Zentimeter lange Steinhaufen übrig geblieben. Die Breite der ehemaligen Kirche betrug neun Meter. Zwischen Steinen sind Schieferstücke zu finden, die von der ehemaligen Bedachung stammen.

Als Erbauer kommen die Ritter von Schwarzenberg und Blancheflor von Veldenz oder eben Loretta von Sponheim selbst infrage. Die Ritter haben die ab circa 1260 erwähnte Burg bemannt. Fraglich ist, ob ein einzelner Ritter oder Edelknecht aus der Familie in der Lage war, die Kapelle zu stiften.

Der Witwe Blancheflor von Veldenz wurde bei einer Klage wegen der nicht entrichteten Mitgift des Hauses Sponheim-Starkenburg, Recht gegeben. Von ihrem Wohnsitz, der Burg Lichtenberg, durfte sie Abgaben aus günstig gelegenen Gebieten einziehen. Aber ob sie sich es als Witwe hätte leisten können, eine Kapelle zu bauen, ist ebenfalls fraglich.

So liegt letztendlich die Vermutung nahe, dass Loretta von Sponheim-Starkenburg als Stifterin der Katharinenkapelle infrage kommt. Dies würde eine Erbauung um das Jahr 1330 bedeuten. Die bronzene Glock der Kapelle ist heute noch im Besitz der Ortsgemeinde Frauenberg und täglich zu hören.

In der Inschrift sind der heilige Gregorius und die heilige Katharina von Alexandrien, die Namensgeberin der Glocke, benannt. Auch zur Frauenburg kommt immer mal wieder die These auf, dass die Burg einst aus sieben Türmen bestanden hätte. Auch diese Behauptung konnte bis heute nicht eindeutig erwiesen oder widerlegt werden. In Sache der Burg sind die Historiker schon einen Schritt weiter und können anhand von alten Urkunden beweisen, dass Gräfin Loretta von Sponheim nicht die Erbauerin war. Letztendliche Klarheit über die Geschichte des herrschaftlichen Burghaues, der Katharinenkapelle und der Frauenburg selbst können nur archäologische Befunde erbringen.

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